Das Torhaus

Von einer militärischen Sicherheitsschleuse zum Schaufenster der Partizipation

Das 52 m² kleine ehemalige Pförtner*innenhaus des Flughafengebäudes, das zu Zeiten des US-Militärflughafens als Sicherheitsschleuse diente, fand 2018 nach langem Leerstand einen neuen Verwendungszweck. Seitdem wird es von seinen Gästen liebevoll „Torhaus“ genannt. Die Initiative THF Vision hatte sich im Vorfeld bereits länger um den Ort bemüht. Ihre Idee: Einen gemeinwohlorientierten Ort zu schaffen, der allen Bürger*innen Berlins für den gemeinsamen Austausch von Meinungen, Anregungen und Informationen offen steht, die sich im Partizipationsverfahren um THF engagieren wollen - oder schlicht daran interessiert sind. Die Bemühungen der Initiative waren erfolgreich und so schloss man eine Nutzungsvereinbarung mit der Gebäudeverwaltung Tempelhof Projekt GmbH ab. Im August folgte die Schlüsselübergabe und am 1. September 2018, dem Tag der offenen Tür des Flughafengebäudes, die feierliche Einweihung.

Mikrokosmos und Makrokosmos – Schwierigkeiten der Nutzung denkmalgeschützter Gebäude

Das winzige Torhaus ist mit einem Gesamtanteil von gerade einmal 0,018% ein Teil des gesamten Gebäudekomplexes. Damit unterliegt es den selben Bestimmungen und Einschränkungen wie das riesige Flughafengebäude. Diese Schwierigkeiten bekamen Anfang September 2018 auch die Mitglieder der Initiative THF.Vision zu spüren. Nur wenige Tage nach der offiziellen Einweihungsfeier erreichte sie die Nachricht, das Torhaus dürfte vorerst nicht mehr betreten werden.

Das Torhaus steht wie das gesamte Flughafengebäude unter Denkmalschutz. Deswegen musste zunächst eine spezielle Nutzungsgenehmigung erteilt werden. Sogar minimale Veränderungen lassen sich an denkmalgeschützten Orten nicht einfach vornehmen, sondern müssen einem denkmalgerechten Nutzungskonzept folgen. Auch die Sicherheitsfrage war zunächst ungeklärt. Wie der Großteil des Flughafengebäudes stand das Torhaus jahrelang leer, Informationen über mögliche Risiken des Ortes lagen nicht vor. Damit der Initiative eine Nutzungsgenehmigung erteilt werden konnte, musste das Torhaus auf Herz und Nieren geprüft werden. Ein Brandschutzplan musste erarbeitet- und eine Untersuchung der Statik und der Bausubstanz vorgenommen werden.

Obwohl die Initiative THF.Vision zeitnah ein Nutzungskonzept vorlegte und einen entsprechenden Antrag stellte, verstrich fast ein halbes Jahr, bis alle bürokratischen Hürden überwunden werden konnten und das Torhaus im Februar 2019 freigegeben wurde. Diese Erfahrungen verdeutlichen, wie herausfordernd sich die Nutzung eines denkmalgeschützten Gebäudes darstellt. Gleichzeitig lassen sich im Torhaus bereits im Kleinen Ideen umsetzen, die später auch für das große Flughafengebäude relevant werden könnten. Beispielsweise soll das Torhaus ökologisch saniert werden, um exemplarisch zu zeigen, wie eine nachhaltige Sanierung des gesamten Gebäudes funktionieren kann.

Das Torhaus als Ort für alle

Die Initiative THF.Vision hat festgelegt, dass 50% der Nutzungszeit auf andere Initiativen entfallen, denen es freisteht, von hier aus ihre Projekte rund um das Flughafengebäude zu planen und durchzuführen. Besonders intensiv wird das ehemalige Pförtner*innenhaus in der warmen Jahreszeit genutzt. So richteten die Torhaus-Initiative und Mehrwertvoll e.V. hier im Juni dieses Jahres das dreiwöchige Torhausfestival aus, das sich der Aktivierung und Sichtbarmachung des Flughafengebäudes verschrieben hat. Das Torhaus ist eine konkrete Anlaufstelle, die das Partizipationsverfahren am Ort des Geschehens sichtbar macht. Wer eigene Veranstaltungen im Torhaus plant, kann sich zu diesem Zweck bei THF.Vision melden. Ganz besonders steht das Torhaus jungen Menschen zur Verfügung. Als Heimat des Projektes für Jugendpartizipation stehen seine Türen Schulen und Jugendgruppen jederzeit offen.


(Text: Heike Aghte)